Dieser Grundsatz hebt im übertragenen Sinn die Gegensätzlichkeit
der Zustände hervor. Jedoch kann eine solche Gegensätzlichkeit
ausgeglichen werden, wenn man den Gesichtspunkt bezüglich des
Problems verändert.
Die starke Hitze des Sommers lässt einen kompensatorisch an
die Kälte des Winters denken und umgekehrt. Jede schwierige
Lage bewirkt ein Wachrufen oder eine Vorstellung der entgegengesetzten
Situation. Wenn man sich jedoch in dieser befindet, stellt sich
die Unzufriedenheit erneut ein. Folglich führt uns der Drang,
eine Situation zu kompensieren, zum entgegengesetzten Punkt.
Dort, wo das Leiden auftaucht, setzt sich die Kompensation in Bewegung,
jedoch wird das Leiden deshalb nicht überwunden.
Jemand, der sich an einem bestimmten Sinn des Lebens orientiert,
hat eine ganz andere Einstellung und ein anderes Verhalten gegenüber
Schwierigkeiten. Wenn jemand glaubt, dass sein Leben einen Sinn
hat und dass alles, was ihm widerfährt, seinem Lernprozess
und seiner Vervollkommnung in dieser Richtung dient, dann wird er
die Probleme, die sich ihm stellen, nicht kompensatorisch zu umgehen
versuchen, sondern er wird sie vielmehr auf sich nehmen und dabei
auch in ihnen einen Nutzen entdecken. Die Kälte des Winters
wird dann nützlich sein, und auch die Wärme des Sommers,
und wenn das eine oder das andere auftaucht, wird diese Person sagen:
«Worin besteht die Gegensätzlichkeit der Jahreszeiten,
wenn mir doch beide dienen?»
Empfehlungen
1. Sich an Situationen erinnern, in denen äussere Widrigkeiten
als endgültig und unüberwindbar erschienen, und erkennen,
wie diese Haltung unnötiges Leiden hinzufügte.
2. Sich an Situationen erinnern, in denen die äusseren Erfolge
als endgültig und dauerhaft erschienen, weswegen wir Haltungen
einnahmen, die später zum Leiden führen.
3. Gegenwärtige Situationen in Betracht ziehen und verstehen,
dass sie vorübergehend sind, und eine dementsprechende Haltung
einnehmen.
4. Eine andere Person über die Veränderlichkeit von Erolg
und Misserolg aufklären und ihr empfehlen, dass eine angebrachte
Haltung jene ist, die vom Auf und Ab des Lebens unberührt bleibt.
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