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6. Grundsatz des Genusses
«Wenn du dem Vergnügen nachjagst,
fesselst du dich ans Leiden.
Solange du jedoch deiner Gesundheit nicht schadest,
geniesse unbefangen,
wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.»

Dieser Grundsatz kann beim ersten Durchlesen schockierend wirken, weil man denkt, er sage folgendes: «Geniesse, auch wenn du dabei anderen schadest, die einzige Grenze ist deine persönliche Gesundheit.» Aber das wird nicht ausgesagt. Vielmehr wird dargelegt, dass es unvernünftig ist, der Gesundheit aufgrund übertriebener oder direkt schädlicher Vergnügungen zu schaden. Ausserdem wird betont, dass die von Vorurteilen herrührende Ablehnung des Vergnügens Leiden erzeugt und dass es ebenfalls schädlich ist, dem Vergnügen unter Gewissenskonflikten nachzugehen. Letztendlich ist die grundlegende Idee folgende: Nicht dem Vergnügen nachjagen, sondern es einfach ausleben, wenn es sich bietet.

Denn das Objekt des Vergnügens zu suchen, wenn es nicht da ist, beziehungsweise es abzulehnen, wenn es auftaucht, sind immer Handlungen, die von Leiden begleitet werden.

Diesen Grundsatz (ebenso wie alle anderen) sollte man nicht aus dem Zusammenhang mit den anderen Grundsätzen herauslösen und auch nicht so auslegen, dass er den anderen widerspricht. So gibt es einen anderen Grundsatz, der lautet: "Wenn du andere so behandelst, wie du selbst behandelt werden möchtest, befreist du dich." Also verändert sich der Sinn, wenn man die Gesamtheit und nicht einen isolierten Grundsatz praktiziert.


Empfehlungen

1. Sich an Situationen erinnern, in denen die Suche nach dem Vergnügen sich in Leiden verwandelte.

2. Sich an Situationen erinnern, in denen die Ablehnung des Vergnügens zum Leiden führte.

3. Gegenwärtige Situationen in Betracht ziehen, bei denen die Suche nach dem Vergnügen eine Leidensquelle darstellt.

4. Andere Personen darüber aufklären, dass sowohl die Suche wie die Ablehnung des Vergnügens eine Quelle von Widerspruch und Leiden ist.

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