Dieser Grundsatz kann beim
ersten Durchlesen schockierend wirken, weil man denkt, er sage folgendes:
«Geniesse, auch wenn du dabei anderen schadest, die einzige
Grenze ist deine persönliche Gesundheit.» Aber das wird
nicht ausgesagt. Vielmehr wird dargelegt, dass es unvernünftig
ist, der Gesundheit aufgrund übertriebener oder direkt schädlicher
Vergnügungen zu schaden. Ausserdem wird betont, dass die von
Vorurteilen herrührende Ablehnung des Vergnügens Leiden
erzeugt und dass es ebenfalls schädlich ist, dem Vergnügen
unter Gewissenskonflikten nachzugehen. Letztendlich ist die grundlegende
Idee folgende: Nicht dem Vergnügen nachjagen, sondern es einfach
ausleben, wenn es sich bietet.
Denn das Objekt des Vergnügens zu suchen, wenn es nicht da
ist, beziehungsweise es abzulehnen, wenn es auftaucht, sind immer
Handlungen, die von Leiden begleitet werden.
Diesen Grundsatz (ebenso wie alle anderen) sollte man nicht aus
dem Zusammenhang mit den anderen Grundsätzen herauslösen
und auch nicht so auslegen, dass er den anderen widerspricht. So
gibt es einen anderen Grundsatz, der lautet: "Wenn du andere
so behandelst, wie du selbst behandelt werden möchtest, befreist
du dich." Also verändert sich der Sinn, wenn man die Gesamtheit
und nicht einen isolierten Grundsatz praktiziert.
Empfehlungen
1. Sich an Situationen erinnern, in denen die Suche nach dem Vergnügen
sich in Leiden verwandelte.
2. Sich an Situationen erinnern, in denen die Ablehnung des Vergnügens
zum Leiden führte.
3. Gegenwärtige Situationen in Betracht ziehen, bei denen
die Suche nach dem Vergnügen eine Leidensquelle darstellt.
4. Andere Personen darüber aufklären, dass sowohl die
Suche wie die Ablehnung des Vergnügens eine Quelle von Widerspruch
und Leiden ist.
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